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Pfleger müssen nicht katholisch sein!

katholisch

Das Arbeitsgericht Aachen hat ein Urteil vom 13.12.2012 veröffentlicht wonach es eine Diskriminierung im Sinne des Allgemeinen Gleichstellungsgesetzes (AGG) darstellt, dass ein Intensivpfleger aufgrund seiner Konfessionslosigkeit nicht eingestellt wurde.

Der Pfleger hatte sich im September 2011 erfolgreich auf die Stelle beworben und in der katholischen Klinik hospitiert. Nachdem er zunächst eine Zusagen erhalten hatte wurde er dann mit dem Verweis auf seine Konfessionslosigkeit abgelehnt. Daraufhin verklagte der Pfleger das Krankenhaus auf Schadensersatz. Das Arbeitsgericht Aachen gab dem Pfleger in seinem Urteil weitgehend recht. (Lediglich die Höhe der Schadensersatzforderung wurde Reduziert, da der Pfleger inzwischen eine andere Stelle gefunden hatte.)

Ein Zitat aus dem Urteil:

Es erschließt sich für die Kammer nicht ansatzweise, aus welchem Grund der Kläger als Krankenpfleger, der zu keinem Zeitpunkt Mitglied einer Religionsgemeinschaft war, es deshalb per se an Berufsethos und Engagement sowie Mitgefühl und Menschlichkeit fehlen lassen soll. Dies gilt umso mehr, als die Beklagte selbst ihm ein Handeln nach „ethischen (mutmaßlich humanistischen) Grundsätzen“ nicht absprechen will. Die Kammer vermag sich nicht vorzustellen, dass es einem Krankenpfleger an Stärke oder Willen fehlen soll, tiefe Krisen von Patienten mitzutragen und menschenwürdig und im Sinne tätiger Nächstenliebe und Barmherzigkeit zu gestalten, nur weil er noch nie formal Mitglied dieser Kirche war. Christliche Grundwerte erhält man nicht durch den Eintritt in die katholische Kirche, genauso können diese Werte nicht bei einer Person als vorhanden angenommen werden, nur weil sie Mitglied der katholischen Kirche ist. Es ist nicht von vornherein auszuschließen, dass diese Grundwerte auch bei Menschen anzutreffen sind, die – aus welchen Gründen auch immer – nicht Mitglied der Kirche geworden sind. Es kommt vielmehr auf die individuellen Fähigkeiten und subjektiven Einstellungen eines Bewerbers an, um ihn als geeignet im Sinne des § 3 Abs. 3 Grundordnung zu qualifizieren oder nicht. Allein auf die förmliche Mitgliedschaft in einer Religionsgemeinschaft abzustellen, vermag keine Aussage über die Befähigung und persönliche Ausrichtung eines Bewerbers zu rechtfertigen.

Die Kirche hat bis Ende März Zeit in Berufung zu gehen.

Quelle

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