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Drei Tage Streik bei der Evangelischen Stadtmission in Heidelberg

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Die ver.di Haustarifkommission der Evangelischen Stadtmission Heidelberg hat einen dreitägigen Streik von Mittwoch (15.05.) 06 Uhr bis Freitag (18.05.) 21 Uhr, beschlossen. Damit wollen die Beschäftigten ihrer Forderung nach einem Tarifvertrag für die Stadtmission mehr Nachdruck verleihen. Bislang hat die Evang. Stadtmission Heidelberg Tarifverhandlungen mit ver.di abgelehnt. Sie beruft sich nach wie vor auf den kirchenspezifischen „Dritten Weg“. Dieser schließt Verhandlungen mit Gewerkschaften ebenso aus wie Arbeitskampf als Druckmittel der Beschäftigten.
Im November 2012 hatte das höchste deutsche Arbeitsgericht geurteilt, dass nur unter bestimmten Bedingungen – die vor Ort in Heidelberg nicht gegeben sind – das Streikrecht in kirchlichen Einrichtungen ausgehebelt werden könne und das Koalitionsrecht prinzipiell nicht eingeschränkt werden dürfe.

Schon für am dritten Streiktag zeichnete sich ab, dass die Abschlusskundgebung gut besicht sein würde.

Schon früh am dritten Streiktag zeichnete sich ab, dass die Abschlusskundgebung gut besicht sein würde.

Auf eine Öffnung der Diakonie hin zu den bewährten Regeln der Tarifpartnerschaft hoffen die Beschäftigten und ihre zahlreichen Unterstützer in und außerhalb der Kirche, so Silke Hansen von ver.di.
Mit der sonntäglichen Aktion vor dem Festgottesdienst in der Heiliggeistkirche wurde nochmals gemeinsam mit Diakonie-Beschäftigten der Pfalz darauf aufmerksam gemacht.

ver.di hatte wie bei Streiks in Kliniken üblich der Geschäftsführung der Stadtmission Verhandlungen über Notdienste angeboten. Nachdem die Stadtmission diese Verhandlungen abgelehnt hat, organisiert ver.di die Notdienste noch eigenständig.

Der Platz gegenüber des Salem Krankenhauses war zur Abschlusskundgebung rappelvoll.

Der Platz gegenüber des Salem Krankenhauses war zur Abschlusskundgebung voll.

Silke Hansen: „Die Organisation von Notdiensten ist nicht Aufgabe der Gewerkschaft. Sollte die Geschäftsführung in dieser Frage weiterhin nicht einlenken, werden wir spätestens ab morgen die Organisation der Notdienste nicht mehr übernehmen, damit dann jeder sein Streikrecht ausüben kann.“

 

Doppelte Zahl an Streikenden

Die Beschäftigten der Stadtmission und insbesondere des Krankenhaus Salem haben ihrer Forderung nach einem Tarifvertrag Nachdruck verliehen. Die doppelte Anzahl von Streikenden konnte von ver.di registriert werden. Auch die sonstige Beteiligung an dem Streiktag, der zum Teil vor dem Salem und zum Teil im ver.di Haus verbracht wurde, war hervorragend.

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Silke Hansen, ver.di – Sekretärin (Heidelberg): „DieGeschäftsführung des Krankenhauses Salem, die zu Verhandlungen über Notdienste von ver.di erneut aufgefordert worden war, verweigerte allerdings wiederum die Zusammenarbeit. Das volle Haftungsrisiko liegt damit beim Arbeitgeber. Die Geschäftsführung stützt sich einzig und allein auf das ausgeprägte Verantwortungsgefühl der Pflegekräfte. Diese kommen damit in die Konfliktsituation, für ihre Interessen zu kämpfen oder nachzugeben. Die Patienten tragen dabei das volle Risiko. Wir verurteilen ein solches Verhalten als verantwortungslos.“

Zahlreiche KollegInnen hätten gerne am Streik teilgenommen, blieben aber an ihrem Arbeitsplatz da der Arbeitgeber sich weigerte Vereinbarungen über einen Notdienst zu treffen.

Zahlreiche KollegInnen hätten gerne am Streik teilgenommen, blieben aber an ihrem Arbeitsplatz da der Arbeitgeber sich weigerte Vereinbarungen über einen Notdienst zu treffen.

Trotz fehlender Notdienstvereinbarung beteiligten sich so viele KollegInnen am Streik, dass Tätigkeiten, die üblicher Weise von Pflegekräften ausgeführt werden, von deren Vorgesetzte oder von Ärzten übernommen werden mussten und ein Aufnahmestopp verhängt wurde. Die Rechnung der Arbeitgeber die Pflegekräfte durch den inneren Konflikt vom Streik abzuhalten ging nicht auf. Es zeigte sich aber auch: Falls ein weiterer Streik nötig sein sollte, ist noch Steigerungspotenzial da.

Es ist noch Steigerungspotenzial da, falls ein weiterer Streik nötig werden sollte. Viele KollegInnen verfolgten die Abschlusskundgebung aus den Fenstern des Krankenhauses.

Es ist noch Steigerungspotenzial da, falls ein weiterer Streik nötig werden sollte. Viele KollegInnen verfolgten die Abschlusskundgebung aus den Fenstern des Krankenhauses.

Streit um die Schwarzen Bretter beigelegt

Vor einem Jahr noch hatte die Geschäftsführerin der Altenhilfe der Stadtmission, Frau Farrenkopf, ver.di gegenüber abgelehnt, dass Gewerkschafts- bretter in den Einrichtungen angebracht werden können. Ver.di zog daraufhin vor Gericht. Nun kurz vor dem entscheidenden Kammertermin kam ein Vergleich zustande, der ver.di erlaubt, in allen Einrichtungen der Stadtmission Schwarze Bretter anzubringen.

Die Streiktage wurden auch kreativ genutzt - zum Basteln der Schwarzen Bretter.

Die Streiktage wurden auch kreativ genutzt – zum Basteln der Schwarzen Bretter.

 

Michel Zimmer, ver.di – Sekretär: „ Wir hoffen, dass damit auch endlich der Druck auf die betriebsinternen Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen aufhört und unsere Kolleginnen und Kollegen endlich ihre grundgesetzlich verbrieften Rechte aus Artikel 9 Grundgesetz in Gebrauch nehmen können, auch wenn sie in einer Einrichtung der Diakonie arbeiten. Es kann ja wohl nicht sein, dass schon alleine die Information über Gewerkschaften als so gefährlich angesehen wird, dass man dies zu unterbinden versucht.“

Die gewerkschaftlichen Schwarzen Bretter wurden als feierlicher Schlusspunkt von den Streikenden im benachbarten Haus Philippus und Haus Stammberg aufgehängt.

Die gewerkschaftlichen Schwarzen Bretter wurden als feierlicher Schlusspunkt von den Streikenden im benachbarten Haus Philippus und Haus Stammberg aufgehängt.

Die gute Stimmung der drei Streiktage fangen folgende Bilder gut ein:

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Weitere Bilder vom dritten Streiktag.

1 Kommentare

  1. Jürgen Stier-Miltner sagt

    Hallo Kolleginnen/Kollegen,
    Danke an Euch alle für diese tolle Aktion. Wir müßen unseren Weg weiter verfolgen und dem
    Arbeitgeber klar machen, dass man mit uns so nicht umgehen kann. Wenn keine Einsicht er-
    folgt müßen wir weiter gehen. Auch die Bevölkerung wurde durch diesen Streik wachgerüttelt.
    Ich wünsche mir das die Verantwortlichen der Stadtmission Heidelberg endlich aufwachen und
    die Wünsche “Ihres höchsten Gutes” endlich respektieren.

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